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Anton Walter in Wien

Musikbeispiel:
Joseph Haydn, Sonate F-Dur HOB. XVI/23, Moderato
gespielt von Christoph Hammer
Instrument: Hammerflügel von Anton Walter 1784

Anton Walter (1752 – 1826) war der führende Klavierbauer Wiens zu der Zeit, als Mozart dort lebte. Seine Instrumente genossen hohes Ansehen und wurden laut zeitgenössischen Aussagen von vielen nachgeahmt, zumal er eine ganze Reihe von Klavierbauern in seiner Werkstätte ausbildete. Walters Klaviere folgen der Tradition von Johann Andreas Stein, weisen jedoch einige eigenständige Elemente auf. Der Klavierbau im deutschen Sprachraum war mit Steins Instrumenten keineswegs zu einem Stillstand gekommen; vielmehr begann von diesem Stadium ausgehend zunächst eine Ära der Verfeinerungen und Weiterentwicklungen. Anton Walter überarbeitete offenbar besonders intensiv die Mechanik, indem er immer wieder Veränderungen an den Kapseln, an Form und Lagerung der Hämmer oder der Auslösung vornahm. So unterscheiden sich Walters Instrumente voneinander immer wieder in kleinen technischen Details, die zeigen, dass Walter selbst über Jahrzehnte noch Dinge fand, die er weiter verbessern konnte.

Mit seinen Instrumenten verbindet sich auch die erste Hochblüte der Komposition für Pianoforte zu Zeiten der Wiener Klassiker. Seine Instrumente galten als besonders auf die Bedürfnisse der zahlreichen Klaviervirtuosen Wiens zugeschnitten, da sie eine leichtgängige Mechanik mit kräftigem Klang kombinierten. Mozart besaß einen Flügel von Walter (jetzt in Salzburg) mit zusätzlicher Pedalklaviatur (verloren), Haydn ein Instrument eines Walter-Schülers und Beethoven verwendete in Wien zeitweilig ebenfalls Instrumente von Walter. Auch Schubert verwendete zeitlweilig ein Tafelklavier von Walter, und so gilt Anton Walter nicht zu Unrecht als eine der wichtigsten Persönlichkeiten „im Hintergrund“ der Klaviermusik der Klassik und Romantik bis um 1820.


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